Die Gebirgsstelze

Die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) oder Bergstelze ist eine Sin

gvogelart aus der Familie der Stelzen und Pieper (Motacillidae). Die sehr langschwänzige, oberseits graue und unterseits intensiv gelbe Stelze besiedelt schnell fließende, meist bewaldete Gewässer und ernährt sich voriegend von Insekten und deren Larven. Sie brütet oft an Wehren, Brücken oder Mühlen.

Das Verbreitungsgebiet reicht von den Inseln des Ostatlantik und dem Atlasgebirge in Nordafrika über große Teile Eurasiens, wo die Art allerdings in Nordeuropa, dem europäischen Teil Russlands und großen Teilen Zentralasiens weitgehend fehlt. Die meisten Gebirgsstelzen des atlantisch beeinflussten Europas und der subtropischen Regionen sind Standvögel, nördlicher brütende Populationen und die meisten asiatischen Vögel überwintern in den subtropischen und tropischen Regionen Europas, Afrikas und Asiens. Die Art hat sich seit etwa 1850 von den zentraleuropäischen Mittelgebirgen aus in die norddeutsche Tiefebene und nach Polen ausgebreitet und von dort auch neue Bruträume in den Niederlanden, Nordeuropa und dem Baltikum erschlossen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts gingen die Bestände dort stark zurück, scheinen sich aber seither erholt zu haben. 

Die Gebirgsstelze ist mit etwa 17–20 cm Körperlänge etwa so groß wie eine Bachstelze, mit 9–10,5 cm aber geringfügig langschwänziger und schlanker. Die Flügellänge liegt zwischen 80 und 89 mm. Der schwarze Schnabel misst zwischen 15 und 17 mm, die Beine und Füße sind fleischfarben bis bräunlich hornfarben. Die Hinterkralle ist recht lang und gebogen. Die Iris ist dunkelbraun, das Auge zeigt einen weißen Ring.

Beim Männchen der Nominatform ist im Prachtkleid die Oberseite bis zum Rücken kühl grau und im frischen Gefieder leicht grünlichbraun getönt. Der schmale Überaugenstreif ist weiß, die Zügel dunkelgrau bis schwarz. Die Kehle ist schwarz nach oben hin durch einen kräftigen Kinnstreif von der grauen Oberseite getrennt. Der Bürzel und die Oberschwanzdecken sind grünlich gelb und an den Seiten rein gelb wie die Unterschwanzdecken, die besonders farbintensiv sind. Die übrige Unterseite ist ebenfalls überwiegend gelb, jedoch zur Flankenmitte hin weißlich aufgehellt und manchmal zudem grau überwaschen. Die Randdecken sind grau wie die Oberseite, die übrigen Oberflügeldecken sind schwarzgrau und heller grau gesäumt. Die Schwingen sind ähnlich gefärbt, zeigen aber an den Basen der inneren Hand und der Armschwingen einen weißen Bereich, der beim zusammengelegten Flügel nicht auffällt, im Flug aber als weißes Flügelband sichtbar wird. Dieses ist auch auf der Flügelunterseite deutlich zu erkennen. Die Schirmfedern sind schwärzlich und weiß bis beigeweiß gesäumt. Von den hellgrauen Unterflügeldecken tragen die längsten weiße Spitzen. Die mittleren drei Steuerfederpaare sind schwarz und im frischen Gefieder teils grünlichgelb gesäumt, die äußeren drei überwiegend weiß und nur die beiden inneren an der Basis zu einem Teil schwarz.

Das Weibchen im Brutkleid ähnelt dem Männchen. Meist ist die Kehle im Unterschied zu der des Männchens weißlich, bei vielen Individuen findet sich aber auch verwaschenes Schwarz an den Rändern und bei einigen, wenigen ist die Kehle komplett schwarz. Die Unterseite ist meist weniger lebhaft gelb, die Flanken oft ausgedehnter weiß.

Im Schlichtkleid fehlt auch dem Männchen das Schwarz der Kehle, diese ist dann oft etwas rötlich beige, wie auch die gelbe Brust etwas rötlich beige überwaschen sein kann und der Überaugenstreif eher beige ist. Im Unterschied zum Weibchen im Schlichtkleid ist die helle Kehle meist zur Brust hin deutlich abgesetzt. Beim Weibchen sind zudem die Ohrdecken, der Überaugenstreif, die Kehle und die Brust stärker beige getönt und das Gelb der Unterseite weniger farbintensiv.

Das Jugendkleid ähnelt dem Schlichtkleid des Weibchens, jedoch sind die Kopfpartie und der Rücken bräunlicher und heller, der Überaugenstreif oft undeutlich ausgeprägt und der Unterschnabel fleischfarben. Einige Individuen zeigen am Hals einen diffusen Fleck oder ein Band. Die Brust ist meist isabellfarben überwaschen, die übrige Unterseite bis auf die hellgelben Unterschwanzdecken weißlich. Das Grünlichgelb des Bürzels ist weniger ausgedehnt, als bei den Altvögeln.

Vögel im ersten Winter zeigen immer noch sehr viel Beige an Kopf und Brust und die gelbliche Unterseite ist auch oft noch nicht ganz ausgefärbt. Die Übergänge zum Adultkleid sind aber fließend. Im ersten Brutkleid lassen sich junge Gebirgsstelzen im Feld nicht mehr von adulten Tieren unterscheiden.