Die Wasseramsel

    Ein Leben in Gischt und Wellen

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus) ist ein hübscher, etwas plump wirkender, aber ganz besonderer Vogel unter den Singvögeln, der Tauchen und Schwimmen kann. Ihren idealen Lebensraum findet sie ausschließlich an schnellfließenden Bächen in bergigem Land, die noch weitgehend naturbelassen sind und mit vielen aus dem Wasser ragenden Steinen, die sie als Sitzplatz benutzt.
  Ihr Reich ist dort, wo der muntere Bachrauschend über den Kies sprudelt, einem Findling ausweicht und 

sich in vielen Armen um kleine Inseln schlingt. Der Wildbach ist klar wie Kristall. Weiße Kiesel und dicke Geröllbrocken liegen auf dem Grund der silberfunkelnden Flut, die über die Steine springt.

Die braunen Vögel mit der leuchtend weißen Brust suchen ihre Nahrung fast ausschließlich unter der Wasseroberfläche, und damit sind sie einzigartig unter den Singvögeln.
Wo das Wasser am wildesten gurgelt, sprudelt und spritzt, sitzt die Wasseramsel auf dem zitternden Zweig am Ende eines dicken Astes mitten im Bach. Doch ihr Lied aus Flöten- und Pfeiftönen, Knarr- und Schnalzlauten übertönt das Wasserrauschen vom Bach. Es ist ein Lied, das dahinrauscht und perlt wie dieser wilde Bach selbst, in dem es gesungen wird. Dann stürzt sie sich, mitten aus dem Gesang heraus, in das wild tosende Wasser, treibt dahin wie ein Kork, taucht gegen die Strömung ab und im Wasser rudernd, auf dem Grund gegen die Strömung dahin und räumt die Kiessteinchen an die Seite, um einen Schnabel voller Beute am Bachgrund aufzulesen. Dann schießt sie plopp wie ein Kork an die Oberfläche, läßt sich ein Stück weit dahin treiben, um dann ga

nz zielbewußt auf ihre Warte oder zum Nest zu fliegen, oder aber ihr Auftauchen geht ganz knapp über dem Wasserspiegel nahtlos in einen pfeilschnellen, sehr zielgerichteten Flug über.

Der Name „Amsel” ist eigentlich nicht ganz korrekt, die Wasseramsel ist vielmehr mit dem Zaunkönig verwandt, der sich ebenfalls gerne an Gewässerrändern aufhält. Besonders das häufige Stelzen (was nichts anderes als Aufstellen des Schwanz

es heißt), hat die Wasseramsel mit dem Zaunkönig gemeinsam. Auf den ersten Blick wird man kaum Unterschiede zu einem an Land lebenden Singvogel erkennen. Trotzdem ist die Wasseramsel perfekt an ihren Lebensraum Wasser angepaßt.

Ihre Nasenöffnung kann sie verschließen. Dies erlaubt ihr, längere Zeit unter Wasser zu bleiben, ohne daß Wasser durch die Nasenlöcher eindringt. Ihre Beine wirken schon auf den ersten Blick ausgesprochen dick und kräftig. Das müssen sie auch sein, um in der kräftigen Strömung unter Wasser Halt zu finden. Ihre Füße und Zehen sind als Schutz vor Geröll mit Hornplatten armiert.

   Auch ihre Augen sind speziell durch eine kräftige Nickhaut geschützt. Oft sieht man, wie die Wasseramsel die Nickhaut über die Augen zieht, bevor sie ins Wasser eintaucht. Wenn sie mal auf einem Stein oder Baumstamm, mal auf einem Zweig oder Stein im Wasser rastet, klappert sie schläfrig mit den weißen Augendeckeln und knickst.

Damit ihr sehr dichtes Gefieder nicht durchnäßt, besitzt die Wasseramsel stark ausgeprägte Bürzeldrüsen und fettet es regelmäßig ein. Dies schützt sie vor Durchnässung und somit vor dem Erfrieren oder Ertrinken im Wasser. Wann immer man meint, die sehr starke Strömung hätte sie abgetrieben, taucht sie plopp, wieder auf und fliegt davon.

Schaut man sich den Knochenbau der Wasseramsel an, so sind auch hier Unterschiede zu den landbewohnenden Singvögeln zu erkennen. Im Gegensatz zu diesen hat die Wasseramsel nämlich keine luftgefüllten Hohlräume in den Knochen, sondern Mark, dadurch ist ihr Skelett natürlich sehr viel schwerer. Die Wasseramsel weist somit ein spezifisches Gewicht von 0,7 auf und ist im Vergleich zu den Land-Singvögeln (die meist ein spezifisches Gewicht zwischen 0,3 – 0,4 aufweisen) wesentlich schwerer, weil sie eine höhere Knochendichte hat. Diese höhere Dichte vereinfacht es ihr zu tauchen.

Und ab geht`s. Wenn sie auf einem Stein sitzt, trippelt sie einige Schrittchen hinein und hält erst den Kopf unter Wasser, um wie ein Strandläufer den Kies zu durchwühlen und zu untersuchen. Dann aber strebt sie, zunächst laufend, in die Tiefe zum Grund des Baches. Zuweilen macht das den Eindruck, daß sie es gar nicht so leicht hat, überhaupt unter Wasser und auf den Grund zu kommen. Sie rennt geradezu gegen die Strömung vom Ufer her auf den Grund hinunter.

Oft springt die Wasseramsel auch direkt von dem Steinbrocken aus, oder von einem Ast mit einem Kopfsprung in die Fluten. Sie taucht dabei nicht wie zum Beispiel Enten oder Haubentaucher, sondern geht förmlich unter Wasser. Weil an dieser Stelle das Wasser zwischen einem halben und einem Meter tief ist, kommt sie nur hinunter, wenn sie die Strömung ausnutzt und unter Wasser mit schräg gestellten Flügeln „hinunterfliegt”. Dort läuft sie wieder gegen die Strömung am Grund, wo sie sich mit ihren kräftigen Füßen und Beinen fortbewegt und läßt sich vom vorbeistreichenden Wasser nach unten drücken.

So sieht man sie auch meist gegen die Strömung tauchen. Unter Wasser bleibt sie hier wiederum zwischen 10 und 30 Sekunden (sie kann angeblich bis zu 5 Minuten unter Wasser bleiben). Oft treibt sie nach einem erfolgreichen Tauchgang dann wieder auf der Wasseroberfläche mit der Strömung zu ihrem bevorzugten Sitzplatz zurück. Wenn man bedenkt, daß sie bis zu 1600 mal am Tage taucht, bringt sie jeden Tag 2 Stunden ihres Lebens unter Wasser zu und legt dabei eine Strecke von 2 km im Schwimmlaufen zurück.Der Bachflohkrebs gehört zur Nahrung der Wasseramsel, nebst Insekten und deren Larven (Mückenlarven, Köcherfliegenlarven, Libellenlarven), Kleinkrebsarten, Wasserwanzen, manchmal sogar Kleinfische auf ihren Tauchgängen, aber auch Würmer am Uferrand, Kerbtiere wie Käfer und kleine Mollusken, Würmer, Kaulquappen und Eintagsfliegen. Am Bach laichen auch Springfrösche, und am flachen Ufer unter dürrem Laub finden auch Waldvögel und die Gebirgsstelzen so mancherlei Futter. Ihr Nest baut die Wasseramsel meist versteckt in der Uferböschung, aber auch unter Brücken. Es ist immer ein kugelförmiges, überdachtes Moosnest. Es werden auch Nistkästen (Halbhöhlenkästen) angenommen, die man entweder direkt am Gewässerrand oder unter einer Brücke anbringt. Beide Eltern bauen das Nest gemeinsam. Bauen sie es neu, verwenden sie äußerlich feine Reiser, Grashalme, Wurzeln, dürre Blätter und Moos. Oft bessern sie aber auch nur das alte Nest aus, Innen aber polstern sie es weich mit Haaren und Federn.

 

   Aus der Nähe ist sie gar nicht so schwarz, wie sie sonst zu sein scheint. Das Köpfchen ist mehr kaffeebraun, vor allem beim Weibchen noch brauner. Brust und Kehle sind rein weiß. Flügel und Rückengefieder schimmern je nach Einfall des Lichtes zwischen grau und braun, aber auch bläulich und grünlich. Jede Federkante der Flügel ist braun gesäumt. Mal treibt sie vorbei, hilflos wirkend wie ein ins Wasser gefallenes Küken, und schon huscht sie auf die Warte. Dann wieder zischt sie zielstrebig wie ein Eisvogel im raschen Schwirrflug zum Nest.
Das Weibchen ist kleiner und brauner, aber das erkennt man nur, wenn sie nebeneinander sind. Sie trägt ein braunes Buchenblatt und das Männchen umwirbt sie. Sie hält ihr Blatt fest, und es kommt zur Kopulation. Dann schnappt sich auch das Männchen ein Blatt, das es aus dem Wasser zieht.
In einem verdreckten und trübe dahin schleichenden Bach wäre das sicher nicht möglich Eine Voraussetzung ist sicher das Wildwasser. So ist dieser so naturnahe Wildbach ein Vogelparadies, auch für die Gebirgsstelze und Gebirgsstelze. An Land auch für die munteren, bunten Finken, winterliche Singvögel, Eichelhäher, die Elstern, die (sommersaisonalen) Raben, und weiter oben am Horizont kreisen im Sommer manchmal sogar drei Mäusebussarde in der Thermik des Tages ..

In den schnell fließenden Abschnitten, die auch im Winter nicht zufrieren und darum 12 Monate im Jahr Nahrung bieten, macht das die Wasseramsel so fröhlich, daß sie auch im Winter singt. Sie kann es sich leisten, schon im Februar mit der Brut zu beginnen, wenn noch Schnee liegt.
Der stört sie aber nicht, weil sie ihr Futter unter Wasser sucht. Da steht sie erst auf kleinen Eisinseln, die sich rings um die Felsen im Wasser bilden und stürzt sich dann zwischen treibenden Eisschollen in die eiskalte Flut.

Wasseramselweibchen brüten bombenfest und lassen sich fast nie aufstören. Auch sonst sind sie gegenüber den Menschen sehr vertrauensselig. Das Weibchen brütet ganz alleine 16 lange Tage und wird vom Männchen mit Futter versorgt. Nach gut 2 Wochen schlüpfen dann die Jungen aus den 4-6 weißen Eiern und werden danach von beiden Eltern drei Wochen lang gefüttert. Nach dem Füttern ihrer Jungen schwirrt die Wasseramsel in schnellem zielgerichtetem Flug flach über dem Wasser stromaufwärts oder bachabwärts wieder davon. Manchmal ruht sie einen Augenblick, doch niemals lange. Sie knickst einige Male, schmettert einen Triller des schon erwähnten Plätscherliedchens und stürzt sich schon wieder in die gurgelnden Fluten.
Zwischen dem Morgen und dem Mittag machen sie eine Stunde Pause, und am Nachmittag noch zwei Pausen. In diesen Fütterungspausen sitzen sie dicht nebeneinander irgendwo am Ufer. Er singt, und sie pflegt ihr Gefieder. Zuweilen baden auch beide plätschernd nebeneinander irgendwo nahe dem Ufer im Flachwasser. Es gibt in Hülle und Fülle zu schnabulieren, so daß die Jungen schnell heranwachsen und die ersten schon bald Mitte April ausfliegen. Besser gesagt, sie fliegen erst noch gar nicht aus, weil sie das noch gar nicht richtig können, deswegen plumpsen sie einfach in das wild tosende Wasser, denn das Schwimmen und Tauchen beherrschen sie vom ersten Augenblick an ganz perfekt, obwohl sie Landvögel sind, die keine Schwimmfüße haben. Alleine im schnell fließenden Wasser können sie sich geborgen fühlen. Da sind sie sicher vor den allgegenwärtigen Katzen, Marder, Iltis und Hermelin.

Jetzt knickst dort wieder eine Wasseramsel, stochert zwischen dem Wassermoos und löst ein Kerbtier ab. Sie hält es im Schnabel und trillert dazu. Sie knickst wieder, und die tiefer sinkende Sonne zaubert einen goldenen Hauch auf das muntere Kerlchen. Einzelne wenige Wasserperlen im Gefieder blitzen im Streiflicht wie Diamanten. Dann plumpst die Wasseramsel zum nächsten Tauchgang wieder in die Flut, daß es aufspritzt. Fort ist das anmutige Vögelchen.

In der Regel ist die Wasseramsel recht standorttreu und sichert sich normalerweise von vornherein Gewässer aus, die im Winter aufgrund der hohen Strömung meist nicht zufrieren. Auch jene Wasseramseln, die Winterquartiere aufsuchen, nehmen meist über mehrere Jahre dasselbe Winterquartier. Sie können übrigens bis zu 10 Jahre und noch älter werden, das ist für Singvögel ein beachtlicher Wert.

Andere bei uns heimische Vögel: die Gebirgsstelze, der Zaunkönig, der Eichelhäher, Elstern, viele bunte Finken und temporär der Kuckuck, der Buntspecht, die Raben, sowie der Mäusebussard.

Da bei uns eine entschleunigte Zone ohne Industrie ist, treten die Erscheinungen der Vögel besonders plastisch im Relief der Landschaft hervor, wie auch die Akustik ihrer Gesänge lautstark klingt.

Es gibt auch viele Schmetterlinge, wobei der Monarch im Altweibersommer vor dem Frost am häufigsten erscheint.