Wildnis & Horizont

The Wings (Native American Music):
https://www.youtube.com/watch?v=-Z9PhUI5oUE&feature=youtu.be

Arme Leute

Eines Tages nahm ein Mann seinen Sohn mit aufs Land, um ihm zu zeigen, wie arme Leute leben. Vater und Sohn verbrachten einen Tag und eine Nacht auf einer Farm einer sehr armen Familie.
Als sie wieder zurückkehrten, fragte der Vater seinen Sohn:
“Wie war dieser Ausflug?”
“Sehr interessant!” antwortete der Sohn.
“Und hast du gesehen, wie arm Menschen sein können?”
“Oh ja, Vater, das habe ich gesehen.”
“Was hast du also gelernt?” fragte der Vater.
Und der Sohn antwortete:
“Ich habe gesehen, dass wir einen Hund haben und die Leute auf der Farm haben vier. Wir haben einen Swimmingpool, der bis zur Mitte unseres Gartens reicht, und sie haben einen See, der gar nicht mehr aufhört. Wir haben prächtige Lampen in unserem Garten und sie haben die Sterne. Unsere Terrasse reicht bis zum Vorgarten und sie haben den ganzen Horizont.”
Der Vater war sprachlos.
Und der Sohn fügte noch hinzu: „Danke Vater, dass du mir gezeigt hast, wie arm wir sind.”

Ein Bild vom Frieden

Es war einmal ein König, der schrieb einen Preis im ganzen Land aus: Er lud alle Künstler ein, den Frieden zu malen und das beste Bild sollte eine hohe Belohnung bekommen.
Die Künstler im Land machten sich eifrig an die Arbeit und brachten dem König ihre Bilder. Aber von allen Bildern, die gemalt wurden, gefielen dem König nur zwei. Zwischen denen musste er sich nun entscheiden.
Das erste war ein perfektes Abbild eines ruhigen Sees. In dem See spiegelten sich die malerischen Berge, die den See umrandeten und man konnte jede kleine Wolke im Wasser wiederfinden. Jeder, der das Bild sah, dachte sofort an den Frieden.
Das zweite Bild war ganz anders. Auch hier waren Berge zu sehen, aber diese waren zerklüftet, rauh und kahl. Über den Bergen jagten sich am grauen Himmel wütende Wolkenberge und man konnte den Regen fallen sehen, den Blitz aufzucken und fast auch den Donner krachen hören. An dem einen Berg stürzte ein tosender Wasserfall in die Tiefe. Keiner, der das Bild sah, kam auf die Idee, dass es hier um den Frieden ging.
Aber der König sah hinter dem Wasserfall einen winzigen Busch, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. In diesem kleinen Busch hatte ein Vogel sein Nest gebaut. Dort in dem wütenden Unwetter an diesem unwirtlichen Ort saß der Muttervogel auf seinem Nest – in perfektem Frieden.
Welches Bild gewann den Preis?
Der König wählte das zweite Bild und begründete das so: „Lasst Euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen: Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und heißt vor allem, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen, ruhig und friedlich im eigenen Herzen zu bleiben.”

Die Zeichen Gottes

Ein alter Araber, der weder lesen noch schreiben konnte, betete jeden Abend mit solcher
Inbrunst, daß ihn der reiche Besitzer einer Karawane zu sich rufen ließ:
„Wie kommt es, daß du so gläubig betest? Woher weißt du, daß es Gott gibt, wo du doch nicht einmal lesen kannst?”
„Ich kann sehr wohl lesen, mein Herr. Ich lese alles, was der große Himmelsvater schreibt.”
„Wie das?”
Der einfache Diener erklärte es ihm:
„Wenn Ihr einen Brief erhaltet, woran erkennt Ihr, wer ihn geschrieben hat?”
„An der Schrift.”
„Wenn Ihr ein Schmuckstück erhaltet, woran erkennt Ihr, wer es gemacht hat?”
„Am Stempel des Goldschmieds.”
„Wenn Ihr um das Zelt herum Hufgetrappel hört, woran erkennt Ihr später, ob es ein Schaf, ein Pferd oder ein Ochse war?”
„An den Spuren”, antwortete der Karawanenbesitzer.
Der alte, gläubige Mann bat ihn, mit ihm aus dem Zelt hinauszutreten, und zeigte ihm den Himmel.
„Mein Herr, diese dort oben geschriebenen Dinge, diese Wüste hier unten, all dies kann nicht
von Menschenhand gezeichnet oder geschrieben worden sein.”

Der dreifache Friede

Der erste Friede, der wichtigste, ist jener, der in die Seelen der Menschen einzieht, wenn sie ihre Verwandschaft, ihr Einssein mit dem Weltall und allen seinen Mächten gewahren und inne werden, daß im Mittelpunkt des Weltalls der Große Geist wohnt und diese Mitte tatsächlich überall ist; sie ist in jedem von uns. Dies ist der wirkliche, innere Friede, und die anderen sind lediglich Spiegelungen von ihm.
Der zweite Friede ist der, welcher zwischen Einzelnen geschlossen wird, und der dritte ist der zwischen Völkern. Doch vor allem sollt ihr verstehen, daß nie Friede zwischen Völkern bestehen kann, bevor nicht der wahre Friede vorhanden ist, der, wie schon gesagt, innerhalb der Menschenseelen wohnt.

Zwei Wölfe

Ein alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten.
Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: „Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend.”
„Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?” fragte der Junge.
„Der Wolf, den ich füttere” antwortete der Alte.

Die zwei Arten von Geist

Der rote Mann unterschied zwei Teile des Geistes: den reinen Geist und den irdisch gebundenen.
Der erste befaßt sich nur mit dem Wesen der Dinge, und ihn versuchte der Indianer zu stärken durch ein ganz geistiges Beten, bei dem der Körper durch Fasten und Entbehrungen gebändigt ward. Diese Art von Gebeten zielte nicht auf Gunst oder Hilfe.
Alle selbstsüchtigen Wünsche, wie Erfolg auf der Jagd oder im Kampf, Erlösung von Krankheit oder Schonung des Lebens geliebter Menschen, wurden dem niederen, dem irdisch gebundenen Geist zugewiesen, und alle Glaubensbräuche, Beschwörungen oder Betgesänge, die dazu dienen sollten einen Vorteil zu erlangen oder eine Gefahr abzuwenden, galten als Äußerungen des irdischen Ichs.
Im Leben des Indianers gab es nur eine unvermeidliche Pflicht: die Pflicht zum Gebet, die tägliche Anerkennung des Unsichtbaren und Ewigen.

Vom Fichtenbaum, dem Teiche und den Wolken

Die herrliche Abendsonne beschien mit ihren goldenen Strahlen einen großen Fichtenbaum, welcher an einer felsigen Berghalde stand. Sein stachliches Laub prangte im schönsten Grün, und seine Äste waren wie mit Feuer übergossen und glänzten weithin durch die Gegend. Er freute sich dieses Glanzes und meinte, all diese Herrlichkeit gehe von ihm selbst aus und sei sein eigenes Verdienst, sodaß er sehr eitel ward und prahlend ausrief: „Seht her, ihr anderen Gewächse und Geschöpfe um mich her, wo erscheint eines in solcher Pracht wie ich edle Fichte? Gewiss, ihr seid sehr zu bedauern, daß euch der Schöpfer nicht schöner geschmückt hat.”
Die Sonne hörte diese eitle Rede und wurde darüber unwillig, sodaß sie ihre Strahlen von dem Baume weg auf einen dunklen Teich wandte, der unten am Berge in tiefer Ruhe lag. Der Fichtenbaum sah nun so öd und traurig aus wie vorher; der Teich aber bewegte sich freudig in kleinen goldenen Wellen und widerstrahlte das Bild der Sonne in tausend Feuerpunkten. Allein auch er wurde stolz darauf und glaubte am Ende, er selbst sei die Quelle all dieser Klarheit, und verspottete die anderen Gewässer, welche im Schatten lagen.
Da wurde die Sonne abermals unwillig, zog Wolken zusammen, in denen sich verhüllte, und der Teich lag nun wieder in seinem düsteren melancholischen Grau wie zuvor und schämte sich. Die Wolken hingegen begannen jetzt zu glühen und zu scheinen wie Purpur und verbreiteten sich wohlgefällig im abendlichen Himmel, als die Erde schon im Schatten lag. Da wurden auch sie übermütig und riefen: „Erglänzen wir nicht viel schöner denn die Sonne?”
Und zum dritten Male wurde die Sonne unwillig, und indem sie hinter den Horizont hinabstieg, entzog sie ihre Strahlen den undankbaren Luftgebilden, und Wolken, See und Bäume verschwammen nun in der grauen Dämmerung, endlich die Nacht all diese eitlen Geschöpfe der Vergessenheit übergab.

Henry David Thoreau  

„Es ist der größte Vorteil, keinen Vorteil zu haben.“
„Der Mensch ist umso reicher, je mehr Dinge er liegen lassen kann.“
„Während ihr Freude daran habt, auf mannigfache Weise Bildung und Kultur zu erwerben, denke ich mit Wonne daran, sie loszuwerden.“
„Es ist heute so, daß der Liebhaber der Kunst etwas anderes ist als der Liebhaber der Natur, obgleich wahre Kunst nur der Ausdruck unserer Liebe zur Natur sein kann. Es ist ungeheuerlich, daß man nichts für Bäume übrig hat, aber sehr viel für korinthische Säulen.“
„Viele beschäftigen sich mit der Untersuchung der Monumente des Ostens und des Westens und der Frage, wer sie erbaute. Ich für meinen Teil möchte gern wissen, wer sie damals nicht erbaute – wer über diese Torheiten erhaben war.“
„Der Wissenschafter studiert die Natur wie eine tote Sprache. Ich bete um eine innere Erfahrung, die der Natur Bedeutung verleiht.“
„Entgegen allen Statistiken werde ich niemals glauben, daß es die Nachfahren von Händlern sind, die den Staat erhalten, sondern die Nachkommen schlichter Bauern und Handwerker.“
„Der Himmel oder das Paradies kann als der Ort bezeichnet werden, den die Menschen meiden.“
„Ich liebe die Natur auch deshalb, weil sie nicht menschlich, sondern eine Zuflucht vor den Menschen ist.“
„Wir vermögen nichts zu sehen, wenn die Idee davon uns nicht schon ergriffen hat.“

Dr. Wald

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
Mich unverstanden fühle oder alt
Wenn mich die guten Musen nicht liebkosen,
Dann konsultiere ich den Dr. Wald.

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater
Mein Orthopäde und mein Internist,
Er hilft mir über jeden Kater,
Ob er aus Kummer oder Kognac ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen,
doch um so mehr von Luft und Sonnenschein,
Und kaum umfängt mich die sterile Stille
Rauscht er mir zu: „Nun atme tief sie ein!“

Ist seine Praxis auch nicht überlaufen,
In seiner Obhut fühlt man sich gesund,
Und läßt mich Kreislaufschwäche einmal schnaufen,
bin ich schon morgen ohne klinischen Befund.

Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
Und unsere Seele stets ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine,
Nur Hausbesuche macht er leider nicht.

Was am Menschen witzig ist

Jemand fragte einmal meinen Freund Jaime Cohen:
„Was ist eigentlich an den Menschen so witzig?“
Cohens Antwort war:
„Sie denken immer verkehrt herum. Sie wollen schnell erwachsen werden und sehnen sich später nach der verlorenen Kindheit. Um Geld zu verdienen, setzen sie ihre Gesundheit aufs Spiel, und geben später viel Geld aus, um wieder gesund zu werden.
Sie denken so sehr an die Zukunft, daß sie die Gegenwart vernachlässigen. Und am Ende erleben sie weder die Gegenwart noch die Zukunft.
Sie leben so, als würden sie nie sterben, und sterben, als hätten sie nie gelebt.”

Worte von Mountain-Man

„Wer sein Leben langsamer lebt, hat mehr davon.”